Cricket in der Ostschweiz

Eine Million Cricket-Fans sahen letzte Woche die Bodenseeregion

Die «Dream 11 European Cricket Series» wurde letzte Woche in St.Gallen ausgetragen. Eine Millionen Zuschauer haben das Turnier im Internet verfolgt. Mannschaftskapitän Nasir Mahmood hofft nun, dass es künftige bessere Trainingskonditionen für Cricket in St.Gallen geben wird.

Michel Bossart (Der Ostschweiz)
Publiziert am 01. Juli 2020

Nasir Mahmood, Mannschaftskapitän St.Gallen Cricket Club.
Nasir Mahmood, Mannschaftskapitän St.Gallen Cricket Club.

Cricket als Sport ist in der Schweiz gänzlich unbekannt. Wirklich? Nicht ganz. Seit 40 Jahren gibt es nämlich den Dachvervand «Switzerland Cricket». Er wurde 1980 in der australischen Botschaft in Genf gegründet. Heute sind ihm 28 Clubs aus der ganzen Schweiz angeschlossen. Einer davon ist der «St.Gallen Cricket Club» (SGCC). Der Club wurde am 1. März 2014 mit dem Ziel, die Sportart in der Ostschweiz bekannter zu machen, gegründet.

Letzte Woche nun fand im St.Galler Gründenmoos die «Dream 11 European Cricket Series» zum ersten Mal in St.Gallen und überhaupt zum ersten Mal in der Schweiz statt. Sieben Teams aus der ganzen Schweiz massen sich vom 22. bis 26 Juni in insgesamt 25 Matches. Gewonnen haben die Zurich Nomads vor Olten. Der SGCC landete auf dem sechsten und vorletzten Platz.

CST10 (22-26-6.2020)

SGCC-Mannschaftskapitän Nasir Mahmood sagt: «Während der ganzen Turnierwoche konnten ungefähr 300'000 Klicks auf youtube gezählt werden, wie die Organisatoren mir sagten. Zudem wurde das Turnier auf Freesport live nach Grossbritannien übertragen. Insgesamt haben das Turnier im St.Galler Gründenmoos also rund eine Million Menschen mitverfolgt.»

Cricket erfreut sich im gesamten Commonwealth einer grossen Beliebtheit und ist in einigen Ländern der Nationalsport schlechthin. Bei einer Million Zuschauer besonders erfreulich sei, meint Mahmood, dass vor jedem Match ein Werbevideo für die Bodenseeregion gelaufen sei. Und prompt: «Viele Leute, die das Video gesehen haben, haben mir schon gesagt, dass sie unsere Region unbedingt besuchen wollen.»

Vor einem Jahr bereits, organisierte der SGCC ein lokales Turnier im Gründenmoos. Auch für dieses Jahr war die Planung schon weit fortgeschritten, mussten wegen Corona aber auf Eis gelegt werden. Nun hofft Mahmood, dass der zweite St.Galler Cricket Cup am 15. und 16. August ausgetragen werden kann.

Nasir Mahmood, der SGCC wurde 2014 gegründet, Cricket in der Ostschweiz bekannter zu machen. Gibt es mittlerweile auch schon Schweizer, die sich für die Sportart interessieren? Zum Bespiel Schüler?

Leider nein. Ein Grund ist wohl, dass wir keinen festeingerichteten Platz haben, wo wir trainieren und wo wir Leute zum Mitspielen oder Schnuppern einladen könnten. Wir trainieren immer dann, wenn wir genügen Spieler sind und einen Platz finden, wo wir niemanden stören. Wir haben beim Sportamt St.Gallen angefragt und hoffen nun, dass wir auf der Suche nach einem permanenten Platz Unterstützung finden. Ein anderer Grund sind auch unsere bescheidenen finanziellen Verhältnisse. Gerne würde ich den Sport an Schulen vorstellen oder andere Werbekanäle aktivieren. Bislang fehlten uns dafür aber die Mittel. Hoffentlich finden wir bald einen Hauptsponsoren, der uns bei der Bewerbung dieses wunderbaren Sports unterstützt!

Der SGCC hat am Turnier nicht so toll abgeschnitten. Warum?

Während der Corona-Zeit konnten wir kaum trainieren und wir waren einfach schlecht auf das Turnier vorbereitet. Umso wichtiger ist es nun, dass wir gemeinsam mit dem Sportamt St.Gallen eine Lösung für unser Platzproblem finden. Hinzu kommt, dass wir wegen einiger Spielerwechsel das Team etwas umstrukturieren mussten.

Wie geht es nun weiter? Was steht für den SGCC auf der Agenda?

Wir brauchen dringend einen permanenten Cricket Wicket. Jetzt müssen wir vor jedem Training einen mobilen Wicket aufbauen. Das ist anstrengend, energiezerrend und dauert jeweils fast eine Stunde. Nächste Woche starten die Liga-Wettkämpfe wieder. Wir konzentrieren uns nun darauf und hoffen, den Ligatitel zu gewinnen!

CST10 (22-26-6.2020)

 

Dieser Artikel erschien ursprünglich in "Der Ostschweiz".